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Süddeutsche Zeitung vom 20.02.2001


 

Hilfe für verarmte 

Senioren in Moskau

Münchener Organisation kümmert sich um die "vergessenen Alten"

 

Von Julia Lenders

   "Die vergessenen Alten der Moskauer Armut" - so nennt Dietrich Baer die Schützlinge der Münchener Hilfsorganisation "Altenhilfe Moskau". Der 64- jährige Baer gehört zu den zwölf aktiven Mitgliedern des Münchener Vereins, der sich die Betreuung von bettlägerigen und verarmten alten Menschen in Moskau zur Aufgabe gemacht hat.

   "Auch wenn wir nur wenige sind, bewirken wir viel", ist Baer überzeugt. Der Verein habe die erste Altenpflegeschule in Russland aufgebaut. In Zusammenarbeit mit der russischen Partnerorganisation "Verein der barmherzigen Schwestern" sei ein mobiler Sozialdienst in vier Moskauer Stadtbezirken eingerichtet worden. 35 Mitarbeiter und zusätzlich die Schüler der Altenpflegeschule versorgen nach seinen Angaben knapp 400 Senioren in der russischen Metropole. "Die Schwestern kümmern sich um die Wohnung, die medizinische, hygienische und auch menschliche Betreuung der Alten", erklärt Baer.

 

Benefizkonzerte im Geisteig

   Die Wohnungen seien beim Erstbesuch momentan meist in einem schrecklichen Zustand, dreckig und winzig klein. Bei einem großem Teil der Senioren handele es sich um Pflegefälle, um die sich bis

zum Eingreifen des Münchener Vereins niemand gesorgt habe. Vor neun Jahren wurde die ,,Altenhilfe Moskau" vom Münchner Peter Böhm ins Leben gerufen. Der heute 75-Jährige war nach seiner Hochzeit mit einer Russin bei  Familienbesuchen auf den maroden Zustand des russischen Sozialsystems aufmerksam geworden. Schockiert begann er bei Bekannten Sachspenden zu sammeln. „Mit 16 Koffern im Gepäck ist er mit dem Zug nach Moskau  und verteilte die Spenden", erinnert sich Baer an das Engagement seines Freundes. Um noch wirksamer helfen zu können, sei daraufhin die Organisation ins Leben gerufen worden.

   Mittlerweile hat die „Altenhilfe Moskau“ nach lnformationen von Baer rund 500 Förderer. Ein Höhepunkt für Aktive und Freunde des Vereins sind die jährlichen Benefizkonzerte im Münchener Kulturzentrum Gasteig. Der Reinerlös der  Veranstaltung, zu der am 30. März auch der russische Opernstar Jewgenij Nesterenko gehört, komme zu 100 Prozent den Moskauer Rentnern zu gute, versichert Baer.

   Der älteste von der Hilfsorganisation betreute Moskauer ist Ilja Grigorijewitsch: Der ehemalige Oberst, der für seine Dienste in der damaligen sowjetischen Armee zahlreiche Orden erhielt, wurde im vergangenen November 100.  Seit fast zwei Jahren gehört er nicht mehr zu den " vergessenen Alten der Moskauer Armut" - er wird fast täglich von einer Mitarbeiterin der "Altenhilfe Moskau" besucht.

 dpa