Hier gehts zurück...
 
 

 

 

Informationen für Spender und Freunde

 

  „Grüsst mir die deutschen Jungs!“

 

Pflegedienstleiterin Anna Stscherbakowa

erzählt die Geschichte von ihrer Nadeshda 

 

Nadeshda Dmitrijewna Gorochowa wurde am 27.10.1923  geboren. Seit August 1997  wird sie vom Mobilen Sozialdienst Tuschino betreut. Sie ist stark sehbehindert und leidet unter Polyarthritis und Anämie. Außer einer Schwester, die in einer anderen Stadt wohnt, hat sie keine Verwandten. Sie hat sich mit der Bitte um Hilfe an uns gewandt. Wir waren erstaunt, dass sie bisher ohne Hilfe zurecht gekommen ist. Obwohl sie sich nur mühsam mit Krücken fortbewegen kann und kaum etwas sieht, ist sie  voller Lebenskraft und Glauben an das Gute.

Sie erträgt ihre physischen, psychischen und materiellen Schwierigkeiten mit Würde. Die Rente reicht kaum für Arzneimittel und Miete. Sie ist jedoch ihre Leben lang gewohnt, sich mit Wenigem zufrieden zu geben. Etwas Kleidung, etwas zu essen, ein Bett, Tisch, Stuhl, ein Herd, ein alter Kühlschrank und viele Bücher, von denen sie sich nicht trennen mag.

Im Unterschied zum gegenwärtigen Dasein war ihr früheres Leben interessant und ausgefüllt: 1941 hat sie die Schule beendet und an einer Ausbildung für die untere Kommandeursebene teilgenommen, die sie als Sergeant abschloss. Danach arbeitete sie als militärische Verkehrsreglerin und leitete Tag und Nacht bei beliebigem Wetter die Autokolonnen.

Nadeshda Dmitrijewna erinnert sich an eine interessante Episode in ihrem Leben. Es war 1944 in der Nähe der Stadt Orjol während einer Tagschicht. Neben dem Kontrollpunkt machte eine Gruppe gefangener deutscher Soldaten Rast. Nachdem sie deren müde und finstere Gesichter sah, wollte sie die Soldaten etwas unterstützen und aufmuntern. In gebrochenem deutsch fragte sie: „wollen Sie essen?“ Ein deutscher Soldat antwortete mit einem Lächeln: „Nein, wir wollen fressen!“.  Alle Gefangenen lebten auf, lachten und fragten durcheinander. Allen wurde etwas wärmer ums Herz.

Nachdem sie nach dem Krieg die Moskauer Staatliche Universität absolviert hatte, unterrichtete Nadeschda Philosophie und promovierte zum Doktor der Philosophie. 1986 wurde ihr der Titel „Verdiente Kulturschaffende der UDSSR“ verliehen.

Nun hat das Leben Nadeshdas  abermals mit Deutschland zusammen geführt. Diesmal jedoch sind die Rollen vertauscht. Jetzt  erhält sie Unterstützung und Herzens-wärme von Menschen aus Deutschland.

Dank des von unseren deutschen Partnern geschaffenen Mobilen Sozialdienstes erhält Nadeshda Gorochowa in ihrer Wohnung medizinische und humanitäre Betreuung. Ihre Altenpflegerin besucht sie drei Mal in der Woche, erledigt dabei alle erforderlichen Arbeiten zur Pflege, badet sie, bereitet das Essen, säubert die Wohnung, unterhält sich mit ihr und besorgt die Arzneimittel.

Zu Feiertagen und zum Geburtstag erhält Nadeshda Geschenke und Lebensmittel-pakete. Nadeshda ist sehr zufrieden und dankbar für die erwiesene Hilfe.Sie läßt sehr herzlich Deutschland und die deutschen Jungs grüßen, die sie im Sommer 1944 traf und zum Lächeln brachte. Liebe wird immer mit Liebe vergolten.