Ausgabe 20 – Nov. 2006
Liebe Spenderinnen, liebe Spender,
liebe Freundinnen und Freunde unseres
Vereins,
„Die
Russen kommen“, so lautete vor kurzem die Überschrift einer
deutschen Zeitschrift zu einem Artikel über die Bemühungen
russischer Firmen sich in der deutschen Wirtschaft zu engagieren.
Und auch der Versuch von Gasprom, bei einem deutschen Fußballverein
als Sponsor einzusteigen, hat für erhebliche Aufregung gesorgt.
Dazu kommen Meldungen aus den internationalen Urlaubsorten, wie
dort die „Neuen Russen“ ihr Geld mit übervollen Händen
ausgeben. Und auch in München lebt so manches Luxusgeschäft von
dieser Klientel, wie deren Geschäftsführer bestätigen. Bei
dieser Berichterstattung muss der Eindruck entstehen, als gäbe es
nur Reichtum in Russland und Armut sei dort unbekannt.
Und
da kommt nun unser Verein, und bemüht sich, Spenden für arme
alte Russen zu sammeln. Können Sie sich vorstellen, wie schwer
wir es haben und was wir manchmal zu hören kriegen? Bangladesch
und Sudan z. B. werden in der Öffentlichkeit als arme Länder
wahrgenommen und man ist bereit dafür zu spenden. Aber Russland
ist doch ein reiches Land mit riesigen Bodenschätzen und immensen
Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft. Das ist richtig. Nur ist
dieser Reichtum leider sehr ungerecht verteilt und große Teile
der Bevölkerung haben keinen Anteil daran, es geht ihnen
teilweise schlechter als vor 20 Jahren. Dazu gehören die alten
Leute, deren Renten sich nahe dem Existenzminimum bewegen. Sie
sind vergessen von der Gesellschaft, von der Politik und von ihren
reichen Mitbürgern.
Jetzt
nähert sich wieder die Weihnachtszeit und das Fest der Liebe und
der Freude. Und wir hoffen, dass es uns wie in den vergangenen 14
Jahren gelingen wird, ein wenig von dieser Freude auch den
vergessenen Alten in Moskau zu bereiten, denn wir wollen ihnen,
wie schon in der Vergangenheit, zu Weihnachten wieder ein
Lebensmittelpaket zukommen lassen. Dazu brauchen wir wieder Ihre
Hilfe. Öffnen Sie bitte Ihre Herzen und Geldbörsen, damit wir
auch weiterhin unsere über 70 russischen Mitarbeiter bezahlen und
mehr als 450 bedürftige alte Menschen betreuen und ihnen Freude
und Zuwendung schenken können.
Zum
Schluss meines Briefes möchte ich mich bei Ihnen allen für Ihre
bisherige Unterstützung mit einem herzlichen „Spasibo“
bedanken und ein besonders warmes „Dankeschön“ nach Teneriffa
schicken.
Mit
den allerbesten Wünschen für das kommende Fest und das Neue Jahr
2007 verbleibe ich
mit herzlichen Grüßen Ihr Peter Böhm
Informationen für unsere Spender und Freunde
Wir
in München
Die allgemeine
unsichere wirtschaftliche Situation in Deutschland sowie die
Probleme angedeutet auf der ersten Seite zeigen leider Wirkung auf
unsere Spendeneinnahmen. Obwohl es uns bisher gelungen ist, von
Jahr zu Jahr steigende Einnahmen zu verbuchen, reicht dies nicht
um die hohe russische Inflationsrate und steigende Preise in allen
Bereichen des täglichen Lebens aufzufangen.
Wir bemühen
uns daher vehement, den Kreis unserer Spender zu erweitern, doch
der Erfolg entspricht nicht unseren Erwartungen. So haben wir im
Herbst mehrere Anzeigen mit Bitte um Unterstützung in der Süddeutschen
Zeitung veröffentlicht, jedoch die Resonanz war leider nicht überwältigend.
Hoffnungen machten wir uns auch mit einer weiteren Aktion:
Wir schrieben einen persönlichen „Bettelbrief“ an 60
bayerische Wirtschafts-Bosse, die im Juni mit einer hochrangigen
Wirtschaftsdelegation zu Verhandlungen nach Moskau reiste. Wir
hofften, dass gerade diese Menschen, die geschäftliche
Beziehungen mit Russland vertiefen
oder neue anbahnen wollten Verständnis für uns und unsere
Tätigkeit haben werden. Jedoch : Fehlanzeige. Nur einer machte
sich die Mühe zu antworten, ohne jedoch eine Spende zu überweisen.
Der
Moskauer Verein
Im September
besuchte Peter und Irina Böhm bereits zum zweiten Mal Moskau, um
mit unseren russischen Partnern über die Finanzierung unserer
Projekte zu diskutieren und über
Einsparungen nachzudenken.
Zum Programm
dieses Besuches gehörte auch die Teilnahme an der Jubiläumsfeier
des Moskauer Vereins, der auch seinen 15ten Geburtstag feierte.
Hohe Vertreter der Präfektur und der einzelnen Stadtbezirke
lobten in ihren Reden die Arbeit des Moskauer Vereins und des
Vereins „Altenhilfe Moskau e.V.“ und überreichten
Dankesurkunden und kleine Geschenke.
Leider ist es
unseren Moskauer Kollegen bisher noch nicht gelungen eigene
Geldquellen zu erschließen. Im Dezember jedoch findet im
Deutschen Haus zum ersten Mal ein Benefizkonzert statt mit jungen
Mitgliedern der Stiftung „neue namen“. Wir alle hoffen, dass
dieser erste Versuch zu einem vollen Erfolg wird. Ende November
nehmen beide Vereine teil an dem alljährlichen Weihnachtsbasar in
der deutschen Botschaft, wo wir die Gelegenheit haben unsere
Arbeit zu präsentieren
15
Jahre „Altenhilfe Moskau e.V.“
Nächstes Jahr
feiern wir unseren 15ten Geburtstag. 15 Jahre ist für einen
humanitären Verein, die meistens nur
ein kurzes Leben haben, ein beträchtliches Alter. Dieses
Jubiläum wollen wir mit einigen Aktionen begleiten, zu denen wir
Sie schon heute einladen wollen: Im Frühling planen wir wieder
ein Kirchenkonzert, das Programm steht jedoch noch nicht fest. Am
18. Oktober ist im Prinzregenten-Theater zum zweiten Mal das
Ballett –Theater Boris Eifman aus St. Petersburg unser Gast. Im
Mai ist ein Infostand
in der Fußgängerzone von München geplant und an
einem noch festzulegenden Termin wollen wir zusammen mit
Spendern und Freunden unseren Geburtstag im größeren Rahmen
feiern. Außerdem planen wir die Herausgabe einer neuen
Druckschrift, in der unsere 15 Jahre Revue passieren sollen. Wir
hoffen, dass wir genug Kraft aufbringen werden, um alle diese Pläne
in Wirklichkeit umsetzen zu können.
Helmut
Aicher in Moskau
Wie wir in
unserem letzen Infobrief erwähnten, fuhr Vorstandsmitglied Helmut
Aicher im Frühjahr für 3 Monate nach Moskau, hauptsächlich um
seine Russischkenntnisse zu vertiefen und
das tägliche Leben und die Sorgen einfacher Moskowiter
kennen zu lernen. Das ist ihm in unerwarteter Weise gelungen. Er
landete in einem Sechsbettzimmer eines russischen Krankenhauses,
der Botwinnik- Klinik. Das kam so: schon
nach vier Wochen Aufenthalt in der Wohnung einer russischen
Rentnerin wurde er mitten in der Nacht mit Herzbeschwerden und
Notarztwagen auf die Intensivstation des Krankenhauses gebracht,
später dann, nach Stabilisierung auf das schon erwähnte Zimmer.
Man könnte nun meinen, er würde das Angebot, ihm ein
Einbettzimmer zur Verfügung zu stellen annehmen, Helmut Aicher
jedoch fühlte sich unter seinen 6 Mitbewohnern wohl und lehnte
ab. Er konnte nun sein Russisch auf unerwartete Weise täglich
trainieren und schloss mit einigen seiner Kollegen eine feste Freundschaft.
Später wurde
er dann mit einem ADAC Sanitätsflugzeug nach München gebracht,
wo er im Bogenhauser Krankenhaus an Herz und Aorta operiert wurde.
Acht Wochen war der Helmut krank, nun lacht wieder, Gott sei Dank!