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Ausgabe 15 – Mai 2004

 Liebe Spenderinnen, liebe Spender,

liebe Freundinnen und Freunde unseres Vereins,

 in regelmäßiger Folge informieren wir Sie über unsere Arbeit und möchten Ihnen dabei auch unsere Probleme und Anliegen vermitteln. Wir befinden uns bereits weit im Jahr 2004, dem dreizehnten Jahr seit unserer Vereinsgründung. Wir danken Ihnen, dass Sie den alten Menschen in Moskau so lange die Treue gehalten haben, und gleichzeitig bitten wir Sie um weitere Unterstützung für sie.  

Heute möchte ich einen Aspekt unserer Arbeit mit Ihnen besprechen, der uns besonders am Herzen liegt und uns zunehmend Kopfzerbrechen bereitet.

Unsere Ausgaben in Moskau sind in erster Linie Gehaltszahlungen an unsere Krankenschwestern und Helferinnen. Auf der Gehaltsliste unseres Moskauer Partnervereins stehen inzwischen mehr als 60 Personen, für deren regelmäßiges Einkommen wir ebenso verantwortlich sind wie für das Wohlergehen der von ihnen betreuten alten Leute. Wir wollen in Moskau ein verlässlicher Partner sein. Aber wir können nur so verlässlich sein, wie wir in Deutschland die Gelder für unsere Arbeit beschaffen können. In einer Zeit der allgemeinen sozialen Unsicherheit wird das immer schwieriger.  

Damit Sie sich eine Vorstellung machen können, wie Ihre Spende in konkrete Hilfe umgesetzt wird, hier ein paar Zahlen:

-      Eine Helferin erhält etwa 75 € im Monat und betreut dafür im Schnitt 7,5 Personen. Mit 10 € pro Monat wird also die häusliche Hilfe für einen bedürftigen alten Menschen bezahlt.

-      Eine Krankenschwester erhält 110 €/Monat. Dafür betreut sie ebenfalls 7,5 Personen. Die medizinische Betreuung eines alten Menschen kostet also ca 15 € im Monat.

-      Ein warmes, dreigängiges Mittagessen im Altenclub kostet pro Monat ca. 40 €. 

Vielleicht nehmen Sie diese Zahlen zum Anlass, einmal darüber nachzudenken, ob Sie mit einer regelmässigen Spende uns ein bisschen bei unserem Bemühen um Verlässlichkeit helfen können. Dafür drei kleine, konkrete Beispiele:

-      Für 10 € /Monat übernehmen Sie die Patenschaft für eine Haushaltshilfe für einen bedürftigen alten Menschen;

-      für 15 € / Monat stellen Sie seine medizinische Betreuung sicher;

-      für 20 € / Monat verhelfen Sie einem alten Menschen für einen halben Monat zu einem warmen Mittagessen. 

Im Namen von Altenhilfe Moskau e. V. und der alten Menschen in Moskau danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen in unsere Arbeit .

Mit herzlichen Grüßen

Informationen für unsere Spender und Freunde

Unsere „ Konzertagentur“ 

Es ist kein Geheimnis mehr, dass auch unser Verein an der nachlassenden Spendenfreudigkeit unserer Mitbürger krankt. Die allgemeine wirtschaftliche Lage, die enorme soziale Unsicherheit zwingt jeden Einzelnen zu sparen. Und leider, aber verständlicherweise sind dann Spenden an karitative Vereine oder Organisationen an erster Stelle der Sparmaßnahmen. 

Um daher nicht nur auf Spenden angewiesen zu sein, veranstalten wir jährlich ein bis zwei Benefizkonzerte in München. Der Reinerlös dieser Veran-  staltungen kommt natürlich weitgehend unseren Projekten in Moskau zu Gute. Unser letztes grosses Konzert im Münchner Prinzregententheater mit Künstlern aus St. Petersburg war leider eine finanzielle Enttäuschung. Es gelang uns nicht - trotz allergrösster Bemühungen, trotz monatelanger Vorbereitung - den Saal mit seinen über 1000 Plätzen ganz zu füllen, so dass wir unsere Ausgaben nur mit Mühe ausgleichen konnten.

Erfolgreicher war dagegen unser bereits 3. Kirchen-konzert mit dem Chor der russischen orthodoxen Kirche aus München. Hier konnten wir über 2.500,- Euro Gewinn verbuchen. 

Wir wollen Sie schon heute auf unsere nächsten zwei Veranstaltungen hinweisen. Am 26. November 2004 findet im Carl-Orff-Saal der Münchner Philharmonie ein Konzert mit  jungen russischen Künstlern statt und am 29. November 2005 kommen dann Ballettliebhaber voll auf ihre Kosten: im Prinzregententheater veranstalten wir einen Abend mit dem weltberühmten Balletttheater von Boris Eifman aus St. Petersburg. Für München ein Kulturereignis ersten Ranges. 

Spendertreffen 2004 

Unsere Spender waren gewöhnt,  dass unsere regelmäßigen „ Spendertreffen“ in der vorweih- nachtlichen Zeit stattfinden. Diesmal jedoch – aus technischen Gründen – trafen wir uns mit  unseren treuesten Münchner Spendern im März dieses Jahres. Es wurde wieder einmal ein gemütlicher, abwechslungsreicher Abend mit ca. 70 Gästen. Wir  hatten diesmal zwei Mitarbeiterinnen unserer Partnerorganisation, dem „ Moskauer Verein der Barmherzigen Schwestern“ zu Gast: Anna Schtscherbakowa, Leiterin unseres „Mobilen Sozialdienstes“ und Swetlana Orlowa, Leiterin des Altenzentrums „Goldener Herbst“. Sie ist eine ausgebildete Sängerin und überraschte uns mit dem Vortrag von russischen Romanzen. Grosse Aufmerksamkeit und Anerkennung fand die Vorführung von einem kurzen Videofilm über unsere weihnachtliche Lebensmittelverteilung an Bedürftige in Moskau. Das Deutsche Zweite Fernsehen war dabei und hatte diese Aufnahmen im Januar ausgestrahlt. Nach weiteren Programmteilen endete der Abend mit unserer traditionellen Tombola, die besonders von der Firma Siemens gut bestückt war. Mit ihrem Erlös konnten wir unsere Kasse wieder ein wenig aufbessern. 

Bericht aus Moskau 

Vor einigen Tagen kehrte unser Vorsitzender nach einer 10-tägigen Dienstreise aus Moskau zurück und brachte die neuesten Informationen über die Entwicklung unserer  Projekte in  Moskau mit. Unter anderem  waren auch schwierige Verhandlungen über die Zukunft des Moskauer Vereins nach Schliessung der Altenpflegeschule im Sommer d.J. zu führen. Es ist traurig, dass wir eine Reihe von langjährigen Mitarbeitern entlassen müssen und ihnen nur eine kleine Abfindung zahlen  können. 

Alle anderen Projekte laufen jedoch zur allgemeinen Zufriedenheit. Besonders erfreulich war die Tatsache, dass wir trotz der Spendenflaute für unseren Mobilen Sozialdienst  weitere Mitarbeiter anstellen konnten. Die  Georg-Kraus-Stiftung aus Hagen übernahm großzügig die Finanzierung der Gehälter von einer Krankenschwester und zwei Helferinnen, so dass wir weitere ca. 20 Hilfsbedürftige in unsere Pflege aufnehmen können. 

Auch der Altenklub entwickelt sich erfolgreich. Er wurde nicht nur von den Bewohnern der umliegen-den Häuser begeistert angenommen, wir erfahren auch grosse  Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung von Tuschino, die unsere Arbeit anerkennt und auf vielfältige Weise unterstützt. 

Eine neue Aufgabe übernahm unser Moskauer Partner mit der Betreuung von über 60 ehemaligen Zwangsarbeitern und jugendlichen Häftlingen in deutschen Konzentrations- und Arbeitslagern. Dieses Projekt finanziert die Berliner Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“. 10 Krankenschwestern betreuen diese alten Menschen, pflegen sie medizinisch, erledigen hauswirtschaftliche Arbeiten und verteilen kostenlose Medikamente.

above zero

Eine Aktion zugunsten von Altenhilfe Moskau e. V.

above zero – Das Projekt

Der südafrikanische Papierhersteller Sappi hat unter dem Motto „Ideas that matter“ weltweit eine interessante Initiative ins Leben gerufen. Sie soll durch Geldzuwendungen dazu beitragen, dass Grafikdesigner ihre kreativen Ideen für die Unterstützung gemeinnütziger Zwecke und Organisationen umsetzen können. Über die Vergabe der Gelder wird alljährlich im Rahmen eines Wettbewerbs entschieden.

Im Jahr 2003 hat nun das Designstudio pure-oxygen von Isabella von Buol gegen eine Konkurrenz von über 300 Mitbewerbern einen dieser Preise gewonnen, mit dem Projekt above zero, einer Kampagne für Altenhilfe Moskau e. V.

Isabella von Buol ist eine treue Freundin unseres Vereins – aus ihrem Studio stammt schon unsere schöne Vereinsbroschüre. Für das neue Projekt reiste sie nun zusammen mit der Fotografin Mila Pavan kreuz und quer durch Russland bis hin zum Baikalsee, um Eindrücke zu sammeln von dem Land, in das unsere Hilfe geht. Das Ergebnis der Reise waren über 8000 Fotos, deren schönste in einer Wanderausstellung gezeigt und in einem wunderschönen Bildband veröffentlicht werden. Die Kosten des Projektes wurden vom Preisgeld bestritten. Der Erlös des Projektes kommt in vollem Umfang Altenhilfe Moskau e. V. zugute. above zero ist so ein Projekt über Russland und gleichzeitig ein Projekt für Russland.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Isabella von Buol und Mila Pavan für ihren vorbildlichen Einsatz im Dienste für unseren Verein. Von Altenhilfe Moskau e. V. hat Dieter Baer das Projekt begleitet. Auch ihm einen herzlichen Dank. 

above zero – Die Ausstellung

Die erste Station der Ausstellung war vom 1. – 11. Mai 2004 im Gasteig in München. Die Vernissage

dazu fand am 1. Mai vor zahlreichem Publikum statt. Sollten Sie diesen Termin verpasst haben, dann bietet sich Ihnen vielleicht in Ihrem Urlaub noch die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen.

Als nächste Stationen sind geplant:

02. 07. – 12. 07.: Chiostro di S. Francesco, Treviso;

17. 07. – 14. 08.: Glocknerhaus am Grossglockner;

16. 11. – 07. 12.: Stadtbibliothek Gütersloh. 

above zero – Das Buch

Neben den beeindruckenden Fotos aus Russland enthält das Buch zahlreiche Beiträge russischer Gegenwartsautoren, wie Andrej Makine, Jurij Malezki, Tatjana Nabatnikowa, Jewgenij Popow, Alexander Renanski, Konstantin Sawojski und Waldemar Weber. Sie haben „mit ihrer mitreißenden Erzählkraft bewirkt, dass sich das Kaleidoskop von Bildern und Emotionen zu einem Ganzen gefügt hat“, sagt Isabella von Buol.

above zero ist ein literarisches Bilderbuch über ein interessantes Land, das sich im Umbruch befindet, und seine Menschen; über Betroffenheit, Chancen und Hoffnung. Ein Buch für Sie und ein schönes Geschenk für Ihre Freunde.

Sie können das Buch bestellen

-      mit dem anliegenden Bestellabschnitt

-      über Mail: sekretariat@altenhilfe-moskau.de.

Der Reinerlös aus dem Verkauf kommt Altenhilfe Moskau e. V. zugute. 

above zero – Eine Reise durch Russland.

256 Seiten, Format 30 x 24,5 cm, gebunden, mit Schutzumschlag.  Preis: 28 €, zuzügl. Versand. 

above zero – Die Bilder

Eine Auswahl der Bilder finden Sie im Internet unter www.abovezero.de

Sie können dort nummerierte Spezialabzüge dieser Fotos bestellen.

Ein Projekt der Moskauer Barmherzigen Schwestern

im Auftrag

des Fonds „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“

Wie bereits mehrfach erwähnt, haben Kompetenz, Erfahrung und guter Ruf unserer Partnerorganisation dazu geführt, dass die Barmherzigen Schwestern in Moskau seit Beginn dieses Jahres ein neues Projekt betreuen. Es ist dies ein Auftrag des Fonds „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, bei uns besser als „Zwangsarbeiter-Fond“ bekannt.  

Das Projekt heißt „Mobile, psychosoziale, medizinische und ambulante Hilfe für Opfer des Nationalsozialismus“ und hat eine Laufzeit von 3 Jahren. 

In der Ausschreibung dazu heißt es:

„Es gibt in der Geschichte nichts Vergleichbares zu den Folgen des Nationalsozialismus. Millionen von Menschen wurden systematisch und planmäßig verfolgt und vernichtet. Die überlebenden Opfer leiden noch heute unter den ihnen zugefügten psychischen und physischen Verletzungen. Sie brauchen Hilfe, und wegen ihres hohen Alters unverzügliche Hilfe.“ 

In dem Projekt werden 60 Personen betreut, die alle während der deutschen Besatzung im Kindes- oder Jugendalter waren und ein schweres Schicksal  erleiden mussten. 

Stellvertretend für viele andere stellen wir Ihnen heute die Geschichte zweier Schwestern vor, die in dem Projekt betreut werden. 

Alexandra Semjonowa Smirnowa, die Ältere der beiden, ist im Jahr 1926 geboren, ihre Schwester Walentina Semjonowa Koslowa im Jahr 1930.

Sie wuchsen in einer Bauernfamilie im Bezirk von Smolensk auf und waren 15 bzw. 11 Jahre alt, als im Herbst 1941 der Krieg über sie herein brach. Als die Deutschen in ihr Dorf kamen, „da nahmen sie uns das Brot weg und die Haustiere, die Lebensmittel und die Kleidung. Es gab auch einige, die den Kindern Süßigkeiten gaben, aber sie zwangen sie zu arbeiten: Fahrzeuge waschen und Schnee schaufeln. Im Februar begannen sie sich zurückzuziehen, sie verjagten alle Bewohner aus

ihren Häusern und nahmen sie mit, die Häuser zündeten sie an.“

Mehrere Tage trieben sie die Leute vor sich her, kamen durch verschiedene Lager, die mit Stacheldraht umgeben waren, und schließlich zu einem Bahnhof, wo sie in Güterwagen gepfercht wurden. „Ihr kommt jetzt nach Deutschland. Dort werden die Mütter arbeiten und die Kinder lernen“, sagte man ihnen. Sie fuhren bis Madera in Weißrussland, kamen dort wieder in ein Lager und mussten arbeiten. Ein Jahr lang. Als die russische Armee vorrückte, zogen sich die Deutschen zurück und nahmen alles mit.

„Plötzlich rief jemand: „Versteckt euch! Sie nehmen dieKinder als Blutspender für die Verwundeten“. Unsere Mütter versteckten uns im Stall und warfen von oben Mist herab. Soldaten kamen mit Hunden, aber sie fanden uns nicht.“ Die Kinder wurden dann von der sowjetischen Armee befreit.

Alexandra ging 1945 nach Moskau, arbeitete als Hausgehilfin, Krankenpflegerin und Köchin bis 1979.

Walerina kam 1953 nach Moskau, arbeitete als Hausgehilfin, dann als Krankenschwester bis 1979.

Die Schwestern Koslowa W. S. und Smirnowa A. S.