Ausgabe 25 – Mai 2009

 

 

Liebe Spenderinnen und Spender,

liebe Freundinnen und Freunde unseres Vereins,

 

die große Finanzkrise hat natürlich auch unseren Verein nicht verschont. Es ist verständlich, dass angesichts der ungewissen Wirtschaftssituation auch bei Spenden gespart wird. Zudem machen uns die derzeitigen wirtschaftlichen Gegebenheiten das Leben schwer. Immer wieder hören wir den Vorwurf, dass es auch in Deutschland viele arme Menschen und sogar hungernde Kinder gibt – warum dann Menschen im reichen Russland helfen? Sollen sich doch dort die Oligarchen um ihre Mitbürger kümmern. Und wenn dann noch von stockenden Gaslieferungen aus Russland die Rede ist, nimmt die Spendenfreudigkeit weiter ab.

 

In Anbetracht dessen kommt bei uns immer wieder Überlegung auf, ob es noch einen Sinn hat, unseren Verein und das Spendensammeln fortzuführen. Altenhilfe Moskau e.V. hat bereits vor mehr als 17 Jahren eine Verantwortung für hilfsbedürftige alte Menschen übernommen. In den Jahren 1991/92 drohte Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine reale Hungersnot. Es gab in den Geschäften buchstäblich nichts an Lebensmitteln zu kaufen. Lange Schlangen bildeten sich, sobald Ware im Geschäft angekommen war. Ganz Europa sammelte damals Geld zur Unterstützung der leidenden Russen.

 

In dieser schlimmen Zeit entstand unser Verein, denn besonders alte und gebrechliche Menschen waren dem Chaos und dem Schlangestehen hilflos ausgesetzt. Wir fingen klein an, mit zehn Gründungsmitgliedern und einen Spendenergebnis von nur etwas mehr als 20.000 DM im ersten Jahr. In den darauf folgenden Jahren entwickelten wir uns allmählich zu einem Arbeitgeber: Derzeit sind mehr als 65 Personen, Krankenschwestern, Sozialarbeiterinnen, Helferinnen und weitere Mitarbeiter für den Verein aktiv. Sie betreuen über 400 hilfsbedürftige Personen in ihren Wohnungen und betreiben ein Altenzentrum. Dort treffen sich vereinsamte alte Menschen; außerdem wird unter anderem täglich ein kostenloses warmes Mittagessen angeboten.

 

Sollen wir all diese Menschen nun im Stich lassen? Wer wird sich dann um sie kümmern? Der russische Staat hat für die Betreuung und Versorgung alter und invalider Menschen kein Geld, er braucht es für andere Zwecke. So absurd es klingen mag: Unsere Hilfe für alte Menschen in Moskau ist angesichts dessen auch heute noch dringend nötig! Deshalb bitten wir Sie, uns auch weiterhin mit Ihren Spenden zu unterstützen.

 

Mit herzlichen Grüßen Ihr

Peter Böhm, Vorsitzender des Vorstands

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Spenden 2008

 

Obwohl wir hinsichtlich der Spendenbereitschaft das Schlimmste befürchtet hatten, erlebten wir eine erfreuliche Überraschung. Die Spendeneinnahmen waren 2008 dank einer Großspende und mehrerer Vermächtnisse verstorbener Spenderinnen erstaunlich hoch. So konnten wir ein Rekordergebnis verbuchen: Zusammen mit den Zinsen unserer als Festgeld geparkten Rücklagen erzielten wir Einnahmen von über 167.000 Euro. Diese Summe übersteigt die geplanten Ausgaben für die Finanzierung unserer Moskauer Projekte, des Mobilen Sozialdienstes und des Altenzentrums „Goldener Herbst“. So konnten wir unsere Verpflichtungen in Moskau einhalten, ohne auf die Rücklagen zurückgreifen zu müssen, und erzielten sogar einen Überschuss von über 7.000 Euro.

 

Für 2009 erwarten wir dennoch einen Rückgang unserer Spendeneinnahmen. Entlastend und positiv wirkt sich aber – als Folge der globalen Finanzkrise – die Schwäche des Rubels aus: Bei der Planung unserer Moskauer Ausgaben rechneten wir mit einem Umrechnungskurs von einem Euro zu 35 Rubel; heute erhalten wir für einen Euro 45 Rubel. Wir hoffen daher, dass wir unsere Projekte auch 2009 ohne Rückgriff auf unsere Rücklagen finanzieren können.

 

Unsere „Konzertagentur“

 

Am 24. April 2009 fand unser traditionelles Frühjahrs-Kirchenkonzert in der Münchner St. Lukas-kirche statt, diesmal mit zwei jungen Akkordeonspielern aus Moskau, beide Stipendiaten der Moskauer Stiftung „Neue Namen“.

 

Um nicht nur auf Spenden angewiesen zu sein, versuchen wir, auch auf andere Weise Geld zu verdienen. So verkaufen wir jedes Jahr auf dem Weihnachtsbasar in der Deutschen Botschaft in Moskau verschiedene Produkte, z.B. den Bildband „above zero“, einen Wandkalender mit Fotografien der italienischen Fotografin Mila Pavan, ein Grußkartenset oder gerahmte Fotografien altrussischer Städte. Der Höhepunkt unserer Aktivitäten sind jedoch die regelmäßigen Benefizveranstaltungen mit russischen Künstlern in Münchner Theatern und Konzertsälen. So waren schon Balletttänzer, Sänger und Musiker vom Moskauer Bolschoitheater und vom Mariinski-theater aus St. Petersburg zu Gast sowie Tänzer und Musiker aus Stuttgart, Dresden, Prag und Wien. Der Höhepunkt unserer diesjährigen Aktivitäten sind zwei Ballettabende, beide wieder mit dem St. Petersburger Ballett-Theater Boris Eifman im Münchner Prinzregententheater. Eine Einladung mit der Möglichkeit, Eintrittskarten zu bestellen, liegt diesem Schreiben bei.

 

Spenderreise 2009

 

Wir beabsichtigten, in diesem Jahr nach längerer Zeit wieder einmal eine so genannte Spenderreise nach Moskau und St. Petersburg zu organisieren. Leider erreichten wir nicht die Mindestteilnehmeranzahl, so dass wir diese Reise absagen mussten.

 

Neues aus Moskau

 

Angesichts der zu erwartenden geringeren Spendeneinnahmen in Deutschland bemühen sich unsere Moskauer Partner verstärkt um Unterstützung russischer und deutscher Firmen oder Einzelpersonen. Dies ist in einem Land, das das Wort Barmherzigkeit weitgehend vergessen hat, immens schwierig. Aber es gab doch einige Lichtblicke: So finanzierte Mercedes 2008 die Mittagessen für Bedürftige in unserem Altenzentrum, und die Chancen stehen nicht schlecht, dass das Unternehmen auch in diesem Jahr die Kosten übernehmen wird. Die Messe Düsseldorf überwies zum Neuen Jahr eine Spende von 5.000 Euro, die Firma Henkel spendete bereits zweimal eine große Menge Waschmittel sowie Reinigungs- und Pflegemittel. Mit weiteren in Moskau tätigen deutschen Firmen konnte Kontakt aufgenommen werden, und es besteht Hoffnung, dass wir noch weitere Unterstützer finden werden.

 

Auch die Deutsche Botschaft in Moskau pflegt zu unserem Verein ein gutes Verhältnis und lädt uns regelmäßig zur Teilnahme an ihrem Weihnachtsbasar ein. In eigener Regie organisiert sie zudem Benefizkonzerte, dessen Reinerlös unserem Moskauer Partnerverein zugute kommt.

 

Leider kämpft der Moskauer Verein mit Personalproblemen. Die Leiterin des Altenzentrums, Swetlana Orlowa, ist nach ihrer schweren Schädeloperation immer noch arbeitsunfähig, so dass ein Ersatz für sie gefunden werden musste. Die langjährige Einsatzleiterin des Mobilen Sozialdienstes im Stadtteil Schtschukino schied aus Altersgründen aus, so dass auch hier eine neue Kraft eingestellt werden musste.